Der Michelbacher Kreuzweg

Der Kreuzweg

in der

Michelbacher

Kirche




 
 
Vorbemerkung:

Der Kreuzweg wurde von Jugendlichen gestaltet unter der Begleitung des Künstlers Alban Muslija aus Karlsruhe und Pastoralreferent Norbert Kasper. Er ist Gegenstand eines Projektes, das während der Firmvorbereitung 2008 durchgeführt wurde.

Bei der Realisation waren folgende Kriterien ausschlaggebend:

  1. Der Kreuzweg und die einzelnen Stationen sollten nicht allzu groß sein.

  2. Nach Möglichkeit sollte die Farbe eine wesentliche Rolle bei der Darstellung spielen.

  3. Um die Jugendlichen nicht zu überfordern, wurde auf eine realistische Darstellung verzichtet und der Weg der Abstraktion versucht. Eindrücke, Gefühle und Charakterisierungen sollte durch die Farbe und Farbschattierungen geschehen.

  4. Um ein gutes Malen zu ermöglichen wurde das kleine Format von Brettern von 50 bis 60cm und der Breite 10cm gewählt. Als Farben wurden Acrylfarben verwendet.

  5. Um eine gewisse Erkennbarkeit zu gewährleisten, soll als gleichbleibendes Element die rote Farbe für Darstellungen von Jesus und eine eher natürliche Holzdarstellung des Kreuzesbalken dienen. Abgesehen vom Kreuzesbalken symbolisiert jedes Brett eine Person. Das Holz für den Kreuzbalken wurde aus alten Brettern, die ausgebürstet und mit schwarzer und brauner Farbe dezent lasiert wurden, hergestellt.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 1. Station

 
1. Station: Jesus zieht in Jerusalem ein

Mit dem Einzug nach Jerusalem beginnt die Heilige Woche. Zwei Menschen in grün, stellvertretend für die jubelnde Menge, begrüßen Jesus, der in die Stadt Jerusalem einzieht. Dem einfachen grün steht ein vielfältiges Rot gegenüber.
Der Weg nach Jerusalem ist nicht leicht und voller Vorahnung des sicheren Todes. Das Rot von Jesus hat leichte dunkle Schatten. Und es bleibt ein Abstand zwischen den jubelnden Menschen und Jesus, eine Vorahnung, dass aus dem »Hosianna!« ein »Kreuzige ihn!« wird?







 
Der Michelbacher Kreuzweg 2. Station

 
2. Station: Jesus feiert mit seinen Jüngerinnen und Jüngern das Abendmahl

Jesus sitzt mit seinen Jüngerinnen und Jüngern beim Abendmahl. Sein Leib und sein Blut sind das Geschenk für die Gemeinschaft. »Tut dies zu meinem Gedächtnis!« Brot, symbolisiert durch die weiße Hostie im Lichtkranz und das Blut als »Erkennungsfarbe« Jesu stiften einen neuen Bund.
Der Regenbogen ist das Zeichen des Bundes, den Gott mit Noah geschlossen hatte. In den neuen Bund tritt die Gemeinschaft um Jesus ein. Dieses Bundeszeichen tragen auch wir. Aber es gibt auch jetzt schon dunkle Seiten: Wie wird es mit Jesus, wie mit uns weitergehen?







 
Der Michelbacher Kreuzweg 3. Station

 
3. Station: Jesus wird von Judas verraten

Im Garten Gethsemane. Jesus ist in Aufruhr. »Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!« betet er. Und dann: »Nicht wie ich will, sondern wie du willst.« Die rote Farbe ist unruhig, andere Farben spielen hinein. Könnte es nicht auch anders gehen?
In dieser Situation tritt Judas auf ihn zu. Er trägt noch die Farben des neuen Bundes, ist aber auch aufgeregt. »Ich werde die Ereignisse beschleunigen, damit sich Jesus als Messias offenbart.« Mit einem Kuss zeigt er den Häschern, wer Jesus ist. Dieser kurze Moment ist hier symbolisiert.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 4. Station

 
4. Station: Jesus wird zum Tod am Kreuz verurteilt

Jesus ist zum Tod am Kreuz verurteilt. Er steht dem Kreuz gegenüber. Das Kreuz wirft dunkle Schatten auf ihn. Noch sind beide nicht verbunden. Sie stehen, natürlicherweise, in Distanz zueinander.
Das Holz des Kreuzes ist rauh mit Ecken und Kanten. Es steht im Kontrast zu den Menschen, die daran sterben sollen. Das Kreuz schmerzt und soll verletzen! Und selbst wenn da Richter und johlende Menschen sind, Jesus ist mit dem Kreuz allein, wie viele Verurteilte. Der schmerzhafte Kreuzweg beginnt.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 5. Station

 
5. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern. Noch lässt sich der Balken gut tragen. Jesus fasst all seinen Mut zusammen und beginnt den Weg nach Golgatha. Er geht aufrecht, noch ist er stark genug, den Weg zu gehen.
Auch das ist eine Situation der Einsamkeit. Jesus ist mit dem Kreuz allein, Jesus trägt das Kreuz allein.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 6. Station

 
6. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Schon nach einigen Schritten wird das Kreuz zu schwer und Jesus stürzt. Das Kreuz droht, ihn endgültig niederzudrücken. Die ganze Last ist spürbar, doch noch kann Jesus sich dagegen stemmen.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 7. Station

 
7. Station: Jesus begegnet seiner Mutter Maria

Auf seinem letzten Weg begegnet Jesus seiner Mutter Maria. In ihm flammt kurz Licht und Liebe auf. Doch das Kreuz steht zwischen ihnen und es wirft jetzt auch einen dunklen Schatten auf Maria. Sie kann Jesus nicht helfen, das Kreuz hält sie auf Distanz.
Jesus ist nicht allein, das Kreuz aber lässt keine Nähe zu. Die blaue Farbe steht für die Nähe zum Himmel, die Mütter für ihre Kinder herstellen können. Doch es ist kein Himmel auf Erden.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 8. Station

 
8. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen

Simon von Cyrene kreuzt den Weg Jesu und wird gezwungen, das Kreuz mit Jesus zu tragen. Er ist ein Fremder, der gar nicht weiß, was hier passiert und ist doch eingebunden in das Geschehen.
Vielleicht hat er gar nichts mit Jesus zu tun, deutlich gemacht mit den neuen Farben. War er auch bei der jubelnden Menge? Simon wird zum Opfer der Willkür und findet sich bei Jesus unter dem Kreuzesbalken wieder.
Gemeinsam tragen sie eine kurze Strecke das Kreuz.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 9. Station

 
9. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Als eine Frau Jesus das Schweißtuch reicht, tritt der Kreuzesbalken in den Hindergrund. Jetzt, in der liebenden Geste, ist Nähe möglich und auf dem Tuch, im Herzen der dieser Frau, prägt sich das Bild von Jesus ein.
Sie wird dieses Gesicht nie mehr verlieren. Dieses Bild ist in ihr Herz eingebrannt. In ihr entsteht das Bild, das wahre Abbild Jesu, sie wird Veronika, griechisch für »wahres Bild«.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 10. Station

 
10. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Die Last des Kreuzes ist drückender geworden, trotz aller Aufmunterung, trotz aller Unterstützung und Nähe, die er erfährt, fällt Jesus zum zweiten Mal.
Das Kreuz drückt ihn jetzt noch mehr nieder. Es ist schwer, wieder auf die Beine zu kommen.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 11. Station

 
11. Station: Jesus tröstet die weinenden Frauen

Am Wegesrand stehen weinende Frauen, wie alle Frauen mit blauen Farben dargestellt. Ihnen spricht Jesus Trost zu. »Weint nicht um mich, sondern weint um eure Kinder.«
Trauernde Mütter tragen Leid schon in sich. Schwarze Tränen, abgrundtiefe Trauer mit dunklen Schatten und schließlich das Kreuz als Zeichen des Schmerzes begleiten sie.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 12. Station

 
12. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Fast hat das Kreuz Jesus ganz zerdrückt. Der dritte Sturz mit dem Kreuzesbalken ist der schwerste. Es ist kaum mehr möglich, noch einmal hochzukommen. Mit der ganzen Last drückt das Kreuz auf die Erde, dringt jetzt schon in das Fleisch ein. Dieser Last kann Jesus nicht mehr entkommen.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 13. Station

 
13. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Als Jesus seiner Kleider beraubt wird, lehnt er sich an das Kreuz. Es hat sich nicht verändert, aber er kommt immer näher an den Tod.
Diese Szene hat fast schon etwas zärtliches, ein letztes Ausruhen, ein letztes Atemholen. Doch Jesus wird Gewalt angetan, sein letzter Schutz, seine Kleider, werden ihm genommen und er steht nackt da. Eine neue Form von Einsamkeit, eine andere Art, Menschen zu demütigen.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 14. Station

 
14. Station: Jesus wird ans Kreuz geschlagen

Das Blut fließt in Strömen, als Jesus ans Kreuz geschlagen wird. Jetzt ist alles aus den Fugen geraten. Beide passen noch nicht zusammen, erst die Schläge des Hammers und die Nägel bringen die Form.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 15. Station

 
15. Station: Jesus stirbt am Kreuz

Der Tod ist da. Schwarz wie die Nacht. Doch es ist kein friedlicher Tod. Bluttropfen zeugen von der Gewalt, die Jesus getötet hat.
Und jetzt und zum einzigen Mal bilden beide, Jesus und der Balken, das Kreuz. Und es ist, wenn man genau hinsieht, kein symmetrisches Kreuz, sondern es steht leicht schief und ist verrückt. So wie es eine Kreuzigung wohl auch ist.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 16. Station

 
16. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen

Zwischen Himmel und Erde ist nichts mehr. Jesus liegt am Boden. Fast triumphierend schwebt der Balken des Kreuzes über ihm. Das Kreuz hat es geschafft, die Verbindung von Himmel und Erde zu kappen.
Aus dem lebendigen Rot ist ein schmutziges Rot geworden, bei dem kaum noch etwas an den lebenden Menschen erinnert, der eine frohe Botschaft verkündet hat.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 17. Station

 
17. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

Und als Jesus im Grab liegt, kommt als letztes der Kreuzesbalken dazu, als wolle er alles überdecken. Es ist der Sieg der Gewalt über die Liebe, der Sieg des Todes über das Leben. Die Liebe und das Leben sind nur noch ganz schwach zu erkennen.
Gibt es diese Spuren noch im Tod? Oder ist der Kreuzesbalken wie ein Deckel, der alles Leben unten hält? Das ist die unausgesprochene Frage, die sich uns stellt.







 
Der Michelbacher Kreuzweg 18. Station

 
18. Station: Jesus ist auferstanden

Die Auferstehung Jesu straft seine Gegner Lügen. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus ist auferstanden, Gott hat ihn nicht im Tod gelassen.
Der Tod hat ihn verändert, aber die Spuren des Rot sind noch sichtbar. Verwandelt erscheint er Maria von Magdala und den Jüngern. Fortan wird die Botschaft des Lebens in die Welt hinaus getragen.







  Christus, in deinem Vertrauen zu uns liegt der Sinn unseres Lebens.
Uns, die wir sagen: »Ich glaube, Herr, komm meinem geringen Glauben zu Hilfe«, bahnst du einen Weg, die Schöpfung mitzugestalten. Auf diesem Weg lässt du uns selbst mit unserer Zerbrechlichkeit etwas bewirken.
Gelobt sei der Auferstandene, denn weil er weiß, wie verwundbar und hilflos wir sind, kommt er, um in uns das Lied unerschütterlichen Vertrauens zu beten.

Frère Roger